|
Holographische
Ultrasonographie
|
|
Wies³aw
Bicz
Über die Möglichkeit der
praktischen Nutzung von holographischen Verfahren
für die Visualisierung der dreidimensionalen Struktur
von Gegenständen
mit Hilfe akustischer Wellen.
|
| Einführung |
Holographische Verfahren
finden vor allem in der Optik eine breite Verwendung. Sie
werden nicht nur genutzt, um Bilder mit räumlichem Eindruck
zu produzieren, sondern dienen auch dazu, Schwingungen und
Verformungen von verschiedenen Gegenständen zu messen. In
der Akustik findet die Idee der Holographie kaum Verwendung.
Hier dominieren eindeutig Verfahren, bei denen die
synthetische Apertur genutzt wird, um Schnittbilder von den
zu untersuchenden Objekten zu produzieren. Es gibt zwar Fälle,
wo u.U. auch die Phase der Signale ausgewertet wird, aber
nicht die volle Information über die durch das Objekt
gestreute Wellenfront, was die holographischen Verfahren
auszeichnet.
In dieser Arbeit möchte ich zeigen, daß es möglich ist,
holographische Verfahren in der Praxis zu realisieren, und
auch die Schwierigkeiten darstellen, die bei ihrer
Verwirklichung auftreten können.
|
|
Grundlagen der Technik |
Das Prinzip der Holographie
beruht darauf, daß die komplette Information über die
Wellenfront der Welle, die von einem Objekt gestreut wurde,
erfaßt wird, was eine Rekonstruktion des Objektes ermöglicht.
In der Optik geschieht das in der Weise, daß die gestreute
Welle mit einer mit ihr koherenten Referenzwelle
interferiert und diese Erscheinung mit Hilfe eines
Fotomaterials erfaßt wird. Um die vom Objekt gestreute
Welle zu rekonstruieren, wird das fertige Hologramm mit
einer Welle beleuchtet, die der Referenzwelle entspricht.
In der Akustik ist diese Methode nicht verwendbar und auch
nicht sinnvoll. Zunächst gibt es nichts brauchbares, was
einem Fotomaterial entsprechen würde. Dann ist es nicht
notwendig, eine Referenzwelle zu benutzen, da man eine
elektronische Referenz leicht erzeugen kann. Nebenbei kann
im Gegensatz zur Optik praktisch jede Schallquelle als
koherent gelten. Üblich und sinnvoll ist die Abtastung des
Schallfeldes mit einem oder mehreren Wandlern.
|
|

Bild 1.
|
Die am einfachsten
vorstellbare Methode, ein akustisches Hologramm zu erhalten,
ist folgende: Das Objekt wird beschallt und die Wellenfront,
die das Ergebnis der Streuung darstellt, mit einem Wandler
abgetastet (Bild 1.). Der Empfänger kann eine ebene, sphärische
oder auch anders geformte Fläche beschreiben - es ist
prinzipiell nicht wichtig. Von Bedeutung ist jedoch, welche
Qualität die Welle hat, die das Objekt beschallt, und wie
sehr der abtastende Wandler einem Punktempfänger entspricht.
Diese Methode ist zwar realisierbar, hat aber nur geringe
praktische Bedeutung außerhalb des Labors, da ein solcher
Abtastvorgang zwangsläufig ziemlich lange dauert und eine
relativ komplizierte Maschinerie voraussetzt. Es ist auch
kaum vorstellbar, daß man sich eine Matrix mit ausreichend
vielen Empfangswandlern herstellt, mit der eine schnellere
und leichter zu handhabende Hologrammerfassung möglich wäre.
Eine solche Methode hätte aber auch einen Vorteil: Ähnlich
wie in der Optik kann eine monochromatische Welle genutzt
werden. Es sind keine breitbandigen Wandler notwendig und
man kann mit großer Verstärkung arbeiten.
Eine Vereinfachung der Methode kann erreicht werden, wenn
man nur einen Ring abscannt ( Bild 2 zeigt diese Lösung mit
der Verwendung eines sich drehenden Wandlers, Bild 3 mit der
Verwendung eines Empfängerrings ). Am einfachsten wäre natürlich,
nur einen Wandler zu benutzen, der sich auf einer ringförmigen
Bahn bewegt. Diese Methode haben wir in unserem
Fingerscanner verwirklicht. Es ist aber zweifellos so, daß
dabei nur das Hologramm einer Fläche erreicht und auch
bezweckt wurde. Es läßt sich aber zeigen, daß sich diese
Methode auch für die Erfassung der Hologramme
dreidimensioneller Gegenstände verwenden läßt. Genau
diesen Beweis - sozusagen eine theoretische Grundlage des
geplanten Geräts will ich in den weiteren Teilen dieses
Artikels liefern. Zuerst jedoch versuche ich die
Unterschiede der holographischen Lösung gegenüber den
klassischen Lösungen zu zeigen.
|
|

Bild 2.
|
|
Klassische ultrasonographische Verfahren |
Die einfachste, immer noch
gebräuchliche Methode benutzt einen Wandler, der mechanisch
bewegt wird und einen mehr oder weniger guten Schallstrahl
produziert, der aufgrund der Wandlerbewegung verschiedene
Bereiche des Köpers beschallt. Die Zusammensetzung der
Echos aus verschiedenen Richtungen produziert ein Bild, in
dem Körperstrukturen sichtbar sind. Diese Methode wäre
wahrscheinlich ideal, wenn es möglich wäre, einen
intensiven, aber schmalen Schallstrahl zu produzieren, ähnlich
einem Laserstrahl. Mit den normalen Wandlern produziert sie
Bilder mit relativ geringer Auflösung.
Aufwendiger ist die Methode, die mehrere Wandler und die
synthetische Apertur benutzt. Es gibt hier viele möglichen
Kombinationen, die in verschiedenen Arbeiten erörtert
werden:
- Die Wandler können beim
Senden zu unterschiedlicher Zeit angeregt werden.
- Die empfangenen Signale
werden mit verschiedenen Verspätungen zusammengesetzt.
- Die Wandler können in
verschiedenen räumlichen Konfigurationen verwendet
werden.
- Man versucht meistens
eine Art synthetische Fokussierung zu erreichen.
Bei allen Verfahren, die
die synthetische Apertur nutzen, gibt es ein grundsätzliches
Problem: Da jeder Wandler ein von den anderen unabhängiges
und leider nicht besonders gutes Ultraschallfeld produziert,
gibt es ein ziemlich erhebliches Phasenrauschen, das die
erreichbare Auflösung erheblich beschränkt. Die dadurch
verursachten Störungen lassen sich auch mit den
raffiniertesten mathematischen Methoden nicht voll
beseitigen.
Man könnte aber sagen, daß es sowohl bei den Methoden, die
die synthetische Apertur benutzen, wie auch bei den
holographischen Methoden um die Antwort auf folgende Fragen
geht: Wieviele und welche Sende- und Empfangswandler soll
es geben?
|
| Wie
sollen sie angesteuert werden? |
Die klassische
Ultrasonographie benutzt normaleweise Wandlerzeilen, in
denen an sich gleiche Wandler sowohl als Sender wie auch als
Empfänger genutzt werden. Die Wandler sind meistens
rechteckig, d.h. die Winkelausdehnung des Schallfeldes, das
sie produzieren ist in einer Richtung ziemlich groß, in der
anderen dagegen gering (es gibt meistens sogar einen
Brennpunkt in dieser Ebene). Als Ergebnis produzieren sie
daher ein Schnittbild von einer relativ dicken Schicht.
Um ein dreidimensionales Bild mit einer solchen Wandlerzeile
zu bekommen, muß man sie mechanisch bewegen, und die Bilder,
die bei den einzelnen Positionen erreicht werden, zusammenfügen.
Eine derartige Prozedur ist natürlich ziemlich aufwendig
und produziert auch keine Bilder in Echtzeit.
Es wurden auch Verfahren vorgeschlagen, die mit einer
zweidimensionalen Matrix arbeiten. Sie scheinen aber so
aufwendig zu sein, daß es sehr fraglich ist, ob diese
Methode irgendwelche praktische Bedeutung haben wird. Sie würde
prinzipiell 3-D Bilder mit klassischen Methoden ermöglichen.
Die Erfassungszeit wäre aber auch nicht sehr gering.
|
| Wie
soll ein holographischer Ultrasonograph aussehen? |
Es existiert z.Z. folgende
Vorstellung über die mögliche Ausführung eines
holographischen Ultrasonographiegeräts. Sie wurde auf dem
Bild 3 vorgestellt: Ein starker Sender in der Mitte des Geräts
produziert einen sehr guten und starken gausschen Puls ( mit
perfekter sphärischer Phase ). Ein Empfängerring ( bei dem
die einzelnen Wandler den Punktempfängern entsprechen)
sammelt die Echos, die infolge der Streuung des Sendepulses
an dem untersuchten Objekt entstehen. Die Echos werden
entweder sequenziell oder auch parallel gesammelt, mit
ausreichend hoher Frequenz abgetastet, in digitale Signale
umgewandelt und als digitale Daten mit Hilfe angepaßter
Chips weiterverarbeitet. Es scheint möglich zu sein, mit
etwa 300 Empfängern auszukommen ( bei einer Auflösung von
etwa 1/10 mm ).
|
|

Bild 3.
|
| Die
Vorteile der holographischen Methode |
- Es lassen sich
3-D-Bilder in Echtzeit erhalten ( u.U. sogar hunderte
pro Sekunde );
- Die Auflösung kann im
Vergleich zu den klassischen Methoden erheblich vergrößert
werden, da das Phasenrauschen nicht vorkommt und eine
endlich dünne Schnittfläche oder Schallstrahl nicht
hingenommen werden muß.
- Die Geräte wären nicht
aufwendiger als die der klassischen Bauweise. Sogar eine
deutliche Verbilligung ließe sich erreichen, da das
gegenwärtige Preisniveau sehr hoch ist.
Um die Geräte
verwirklichen zu können, müssen aber verschiedene Probleme
gelöst werden. Einige davon haben wir schon in unseren
Fingergeräten gelöst, andere warten noch auf ihre Lösung.
Es muß vor allem das Problem der Verarbeitung der Daten zu
3-D Bildern gelöst werden. Die wichtigsten Grundlagen sind
aber schon geklärt. Die Überlegungen, die anläßlich der
Fingergeräte gemacht wurden, zeigen, daß es realistisch
ist, 3-D-Bilder in Echtzeit zu erwarten. Die Datenaquisition
dauert nämlich bei dieser Methode nicht länger als bei der
klassischen Ultrasonographie, die Geschwindigkeit der
Darstellung hängt hauptsächlich von der Geschwindigkeit
der Datenverarbeitung und auch davon ab, welche
Darstellungsart man wählt.
|
|
Theoretische Begründung der Lösung mit nur einem Ring |
Es gibt mehrere Möglichkeiten,
die Nutzung nur eines Empfängersrings zu begründen. Die
einfachste Methode berücksichtigt die Tatsache, daß die
Veränderung der Frequenz der Welle, mit der ein Hologramm
erzeugt wird, zu seiner Vergrößerung oder auch
Verkleinerung führt. Wenn man sich daher vorstellen würde,
daß nur ein Ring abgetastet, dabei aber auch die Frequenz
verändert wird, bekommt man in etwa das gleiche Ergebnis,
als ob mehrere Empfängerringe benutzt worden wären (die
gesamte Fläche - wie bei dem Beispiel vom ersten Bild -
abgetastet). Die Frequenz muß so verändert werden, daß
ein ausreichend großer Teil des Hologramms abgetastet wird.
Es ist leicht zu zeigen, daß die notwendige
Frequenzbandbreite dem Ortsfrequenzspektrum des Objektes
entsprechen muß (was die Verwendung von breitbandigen
Wandlern voraussetzt). Am sinvollsten ist es, einen Impuls
mit entsprecheneder Bandbreite zu benutzen. Es wird dadurch
möglich, auch die absolute Laufzeit (Phase) der zurückgestreuten
Welle zu erfahren.
Man muß dabei eine Voraussetzung erfüllen: Das Objekt soll
in ziemlich alle Richtungen gleichmäßig streuuen. Diese
Voraussetzung trifft aber auf menschliche Körper (und auch
ähnliche biologische Objekte) glücklicherweise weitgehend
zu. Sonst würde mit einem Ring nur eine unvollständige
Information gesammelt ( die Streuung, die in andere
Richtungen geht, wird nicht "gesehen" ).
Falls man einen Impuls mit der Phase einer Kugelwelle sendet,
Punktempfänger benutzt und die Rekonstruktionsalgorithmen
so auslegt, daß sie diese Voraussetzungen berücksichtigen,
kann man davon ausgehen, daß es sich bei dem gemessenen
Hologramm um ein Fourierhologramm handelt. Das erleichtert
die Rekonstruktion der Schnittebenen, da man Algorithmen
nutzen kann, die den in der Tomographie gebräuchlichen
entsprechen. Dasselbe Verfahren nutzen wir bei unseren
Kameras für die Fingerabdruckvisualisierung.
Es wäre möglich, weitere Beweise für die Machbarkeit
dieses Verfahrens vorzubringen, viel sinnvoller ist es
jedoch, Testmessungen durchzuführen. Derartige Messungen
zeigen, daß es leicht möglich ist, falls die zu messenden
Gegenstände nicht sehr kompliziert sind, mehrere Ebenen zu
unterscheiden (und als Schnitte darzustellen - sie
entsprechen dann den Flächen des Typs A auf dem Bild 4).
Falls sie komplizierter werden, beeinflussen sich die Ebenen
gegenseitig und es ist schwer zu sagen, ob sie als Schnitte
(sowohl der klassischen ultrasonographischen Art - Typ B -
wie auch der sozusagen tomographischen Art - Typ A )
darstellbar sind. Ich vermute, daß es möglich ist, bin
aber vorläufig nicht in der Lage, einen Beweis zu liefern.
|
|

Bild 4.
|
Es ist aber sicher, daß eine Darstellung, die der
klassischen Wiedergabe eines optischen Hologramms entspricht,
das Bild in der richtigen Form zeigen würde. Was man dann
sehen könnte, würde aber vielmehr einem durchsichtigen
anatomischen Modell als einem klassischen
ultrasonographischen Bild entsprechen. Falls man solche
Bilder mit einem 3-D Display zeigen würde (was
wahrscheinlich am sinnvollsten wäre), hätte der
beobachtende Arzt ein völlig neues Gefühl. Diese Art der
Darstellung von anatomischen Strukturen ist nämlich heute
mit keiner bekannter Methode zu erreichen. Man könnte höchstens
versuchen, aus den tomographischen Bildern derartige
Darstellungen künstlich zu erzeugen.
Die Bilder könnte man natürlich als synthetische, optische
Hologramme herstellen und zeigen. In Echtzeit wäre es nur
dann möglich, wenn ein passendes Display - oder auch eine
effiziente Methode, solche Bilder auf den klassischen
Bildschirmen zu zeigen - zur Verfügung stünde (beides ist
denkbar). Es ist auch sicher so, daß man sich das Hologramm
von verschiedenen Tiefen anschauen könnte (nur eine relativ
dünne Schicht des Typs A aus einer bestimmten Tiefe wäre
sichtbar, die anderen wären dann ausgeblendet). Die Vergrößerung
eines Ausschnitts wäre auch möglich. Und zwar sowohl mit
Hilfe der Software, wie auch durch die Veränderung des
Beschallungswinkels (das würde in etwa dem Wechsel des
Objektivs in einem Mikroskop entsprechen). Berücksichtigen
muß man dabei, daß die Dicke der Schicht mit der Breite
des Schallbündels, von dem das Objekt beschallt wird,
zusammenhängt.
Falls es möglich wäre, ein echtes holographisches Display
zu schaffen, wäre die Bearbeitung der Daten, die von den
Empfängern kommen, im Grunde genommen gar nicht notwendig.
Notwendig wäre sie auf jeden Fall dann, falls man aus
diesen Daten Schnittbilder produzieren möchte. Eine
Bearbeitung (besser gesagt: eine Art Filterung) wird auch
notwendig, wenn klassiche Bildschirme benutzt werden. Höchstwahrscheinlich
wird auch dann eine Bearbeitung notwendig, wenn die Bilder
z.B. durch Fettschichten zu stark verzerrt werden.
|
|
Welche Schritte sind noch zur Herstellung eines
holographischen Ultrasonographen erforderlich? |
- Es
stehen uns zwar breitbandige Empfangswandler zur Verfügung,
aber die Ausführung, die die Fertigstellung eines Empfängerrings
erlauben würde, ist noch nicht produktionsreif. Auch an
der Empfindlichkeit der Wandler muß noch gearbeitet
werden. Der gesamte Empfängerring muß zusammen mit der
Elektronik entwickelt werden.
- Das
Problem der Darstellung der gewonnenen Informationen ist
zu lösen. Hierzu existieren zwar etliche Lösungsansätze,
eine konkrete Lösung gibt es aber bisher nicht.
- Die
Entwicklung, Anpassung und Beherrschung von Prozeduren
ist erforderlich, die Schnittbilder produzieren können.
Dies verlangt sowohl die Beherrschung der Theorie, wie -
eventuell - auch der Hardware, die solche Berechnungen
schneller machen kann.
- Korrekturmöglichkeiten
für die möglichen Verzerrungen sind zu entwickeln und
vorzusehen (diese Aufgabe hängt mit den Punkten 2 und 3
zusammen ).
|
| Vorhandene
Grundlagen |
- Das
Problem der Herstellung einer starken und in der Phase
perfekten Kugelwelle ist gelöst.
- Prinzipiell
alle Elemente der Elektronik existieren bereits. Sie müssen
aber an die Bedürfnisse des Geräts angepaßt oder auch
in einer neuen Version entwickelt werden.
- Die
theoretischen Grundlagen sind weitgehend klar
herausgearbeitet und gut verstanden.
Ich habe mich entschlossen,
diesen Artikel zu publizieren, um dadurch die Möglichkeiten
der holographischen Technik vorzustellen, in der Ausführung,
die von mir für die Verwirklichung der
Fingererkennungskamera vorgeschlagen wurde.
Ich versuche dadurch Partner zu finden, die die hier
skizzierten Möglichkeiten interessant finden. Für jegliche
Bemerkungen werde ich dankbar sein.
Wieslaw
Bicz
05.03.2002
|
|
|
|
|
|
|