Über die
Möglichkeit, die Information über die Karte, ihren
Benutzer, die Bewegungen seiner Finger oder der Hand mit
Schallwellen abzutasten.
Wie die Leser
des a la Card Journals bestimmt sehr gut wissen, enthalten
die heutigen Kartenterminals außer der obligatorischen
Elektronik und der Verbindung mit den Computern der
Bankenwelt immer auch eine Tastatur, ein Display und natürlich
auch einen Kartenleser. Falls das Terminal die Identitätsprüfung
des Kartenbenutzers durchführen soll, ist zusätzlich noch
ein Gerät nötig, das dies machen kann.
Es gibt aber
auch eine Möglichkeit, alle diese Funktionen mit einem Gerät
zu realisieren, das außer der Elektronik und der Verbindung
nach draußen nur eine (am Rande modifizierte) Glasscheibe
enthält, in der sich Schallwellen bewegen, die alle
sonstigen Funktionen des heutigen Terminals verwirklichen können.
Und zwar allein deswegen, weil sie von den Gegenständen,
die die Oberfläche des Geräts berühren, gestreut werden.
Die Fertigstellung des Prototyps eines solchen Terminals
wird wahrscheinlich im Jahr 1999 möglich sein. Die
Entwicklung, die es ermöglicht hat, dauert aber schon
einige Jahre.
Es fing alles
mit der Idee an, daß man für die Identifizierung der
Menschen aufgrund ihrer Finger (Muster der papillaren Linien)
nicht wie üblich das Licht, sondern den Ultraschall
verwenden soll. Diese Idee wurde vom Autor des Artikels im
Jahre 1986 vorgeschlagen. Dank der Zusammenarbeit mit dem
Prof. Wolfgang Grill (damals: Frankfurt am Main, heute
Leipzig) gelang ziemlich schnell der Beweis, daß die
Schallwellen nicht nur für diesen Zweck geeignet sind,
sondern auch viele Vorteile bieten. Sie reagieren z.B. nicht
empfindlich auf Schmutz, Fett, Wasser, die den optischen Geräten
Probleme bereiten. Da sie außerdem nicht nur die Oberfläche
sehen, sondern auch die tiefer liegenden Schichten abtasten,
können sie lebende Finger von allen anderen Sachen
unterscheiden. Ziemlich schnell war auch klar geworden, daß
die Schallwellen Geräte ermöglichen, die einen
holographischen Vergleich erlauben, was etliche Vorteile
bietet (etwas später versuche ich, es zu erklären).
Es hat einige
Jahre gedauert (auch deswegen, weil es anfänglich mit der
Finanzierung der Entwicklungsarbeiten Probleme gab), bis die
Idee der am Anfang beschriebenen, "sensitiven
Glasscheibe" entstand, und die dafür benötigten
Elemente erfunden wurden. Seit einiger Zeit gibt es schon
ein Gerät, das ziemlich zuverlässig viele Möglichkeiten
der Ultraschalltechnik für die Fingererkennung zeigen kann.
Die Entwicklung dieses Geräts hat viel Zeit und Mühe
gekostet, da viele neue Lösungen gefunden und viele
Probleme überwunden werden mußten. Sehr viele Elemente
dieses Geräts sind innovativ (viele wurden auch patentiert),
nicht nur das Prinzip (das inzwischen jedoch schon Nachahmer
gefunden hatte).
Die Leser, die
davon wissen, daß es Kontaktbildschirme gibt, die
Schallwellen nutzen, möchte ich darauf hinweisen, daß der
Funktion dieser Schirme eine ziemlich andere Erscheinung
zugrunde liegt: Sie nutzen die Dämpfung der Welle, die
eintritt, wenn ein Finger (oder auch etwas ähnliches) ihre
Oberfläche berührt. Dadurch bedingt ist z.B. ihre Auflösung
gering. Sie wären keinesfalls in der Lage, die Struktur der
papillaren Linien zu erkennen. Die sensitive Scheibe, die
ich hier beschreiben möchte, nutzt dagegen eine andere
Erscheinung, von uns Kontaktstreuung genannt, die
offensichtlich von niemandem sonst gemerkt, geschweige denn
genutzt wurde. Man kann sie wie folgt beschreiben:
Falls eine
Schallwelle die freie (und glatte) Oberfläche eines Festkörpers
von seinem Inneren her erreicht, wird sie normalerweise
reflektiert. Die Form der Wellenfront wird dadurch nicht
anders, nur die Propagationsrichtung verändert sich. Falls
jedoch die Oberfläche des Festkörpers von anderen Gegenständen
berührt wird, verursachen die Kontaktstellen die Streuung
der Welle. Die Wellenfront verändert sich. Falls man diese
Veränderungen mißt, kann man die Lage der Kontaktstellen,
Relief der Struktur, die die Fläche berührt und natürlich
jegliche Lageveränderungen feststellen.
Das führt
dazu, daß man mit derartiger sensitiven Scheibe Funktionen
realisieren kann, die normalerweise verschiedene Geräte benötigen.
Sie kann die Struktur der papillaren Linien der Finger, die
sie berühren, analysieren (und somit ihren Benutzer
identifizieren), sie "weiß" aber auch, wo welcher
Finger liegt. Die Scheibe kann deswegen als Tastatur
funktionieren, ist aber viel besser als die klassische Ausführung,
die echten Tasten oder auch nur Tastfelder benutzt, da auch
die Unterscheidung der Finger möglich ist (anders ausgedrückt:
man kann feststellen, welcher Finger welche Stelle drückt).
Es ist leicht zu sehen, daß die Funktion einer Maus
sozusagen automatisch vorhanden ist, aber auch eines
Graphiktablets, da man statt mit dem Finger die sensitive Fläche
mit einem Stift (und zwar mit beliebigem) berühren kann, um
mit ihm etwas zu zeichnen, zu schreiben oder nur zu zeigen.
Es ist daher leicht vorstellbar, daß man das Gerät nutzt,
um damit die Unterschrift zu erfassen. Im Unterschied zu
einem Graphiktablett kann es aber auch die Druckstärke
erkennen, somit ist es möglich, die Dynamik der
Unterschrift zu analysieren. Es ist - glaube ich - jedem
klar, daß die Scheibe beliebige Tasten- oder auch
Funktionsfelder haben kann, da sie alle doch nur virtuell
existieren. Falls man hinter der Scheibe, die durchsichtig
sein kann, ein Display unterbringt, kann man alle solche
Felder je nach Bedarf zeigen und passend auf ihre Berührung
reagieren.
Möglicherweise
haben die aufmerksamen Leser dieses Artikels schon bemerkt,
daß ein solches Gerät eine für die Kartennutzer, aber natürlich
nicht nur für sie interessante Funktion besitzt: Es kann
auch als Scanner für die Information dienen, die z.B. so
wie die papillaren Linien - das heißt in Form eines Reliefs
gespeichert wurde. Man kann sagen, daß in den menschlichen
Fingerabdrücken eine genetisch bedingte Information auf natürliche
Art kodiert wurde. Man kann aber natürlich auch andere
Informationen so aufbereiten, daß sie durch die Abtastung
mit den Schallwellen gelesen werden können. Die Dichte der
Information, die ein Fingerabdruck enthalten kann,
entspricht in etwa einer normalen Diskette. Denkbar sind
aber viel höhere Dichten. Mit dem Gerät, das wir in der
nahen Zukunft verwirklichen wollen, sind in etwa 10 mal höheren
Informationsidichten erreichbar. Die Information, die mit
der ,,sensitiven Scheibe" gelesen werden soll, muß natürlich
entsprechend vorbereitet sein. Sie muß entweder als Relief
(Prägung) oder als lokale Veränderungen in einer glatten
Schicht vorkommen. Man kann sich viele Methoden vorstellen,
wie man solche Information vorbereiten kann: Möglich
scheinen sowohl verschiedene Druckverfahren, Prägen von
Plastikoberflächen (ähnlich, wie es bei den CD´s oder
auch den Schallplatten der Fall ist), denkbar sind aber auch
z.B. Verfahren, die genutzt werden, um Brailleschrift
herzustellen.
Es ist
wahrscheinlich nicht schwierig, sich vorzustellen, welche
Verwendungsmöglichkeiten solche Art der
Informationsaufbewahrung haben kann, und zwar nicht nur im
Bereich der Kartenwirtschaft, obwohl es dort möglicherweise
besonders interessant sein könnte (schon allein deswegen,
weil man sich zusätzliche Lesegeräte sparen kann).
Bevor ich dazu
übergehe, die ökonomische Seite solcher Geräte zu
besprechen, muß ich noch auf eine wichtige Eigenschaft der
Geräte dieser Art hinweisen, die nur für die Leute verständlich
wird, die einiges von der Holographie, Wellenbeugung und
Interferenz verstehen. Ich werde es nicht erklären, wieso
es so ist, da es den Rahmen des Artikels sprengen würde:
Da die
Schallwellen ähnliche Längen haben können, wie die
Struktur des Objektes (die Entfernung zwischen den
papillaren Linien und ihre Breite) und sich viel langsamer
als Licht bewegen, sind Geräte möglich, die holographische
Vergleiche machen. Sie können sehr schnell funktionieren
und die Möglichkeit bieten, auch die Personen sicher zu
erkennen, die nur über eine Fernverbindung (z.B. über
Internet) erreichbar sind und prinzipiell unbegrenzte Möglichkeiten
haben, Täuschung zu betreiben. Ein solches Gerät kann man
nämlich nicht betrügen. Die genaue Erklärung ist
schwierig, man kann es in Kürze aber vielleicht so fassen:
Ein derartiges Gerät bildet zusammen mit dem Finger eine
Art Analogrechner, der sehr viel schneller als ein
beliebiger vorstellbarer Digitalrechner eine Antwort liefern
kann, die den Finger eindeutig identifiziert (die Menge der
vorstellbaren Fragen und zu ihnen passenden Antworten ist
dabei für jeden Finger praktisch unbegrenzt).
Möglicherweise
werden viele Leser fragen, ob dieses "Wunderwerk"
überhaupt zu bezahlen sein wird" Ich kann alle
beruhigen. Eine "sensitive Scheibe", die ich hier
beschrieben habe, wird auch bei den mittleren Seriengrößen
nicht sehr teuer in der Fertigung sein. Bei massenhafter
Herstellung können die Kosten sehr niedrig liegen. Weder
die Elektronik, noch die Scheibe sind besonders schwierig zu
fertigen.
Bemerken muß
ich vielleicht noch, daß sich solche "sensitiven
Scheiben" in verschiedenen Dimensionen herstellen
lassen: Sie können ziemlich beliebig groß, flach oder
gebogen, aber auch ziemlich klein (wie eine Taste) sein.
Wir versuchen
heute, die Technologie dieser Geräte serienreif zu machen
und werden dafür bestimmt noch einige Monate benötigen.
Wer genauere technische Informationen über den aktuellen
Stand der Entwicklung bekommen möchte, kann den Artikel "Untersuchung
der papillaren Linien mit Hilfe der Ultraschallkamera"
lesen.
Abschließend
möchte ich noch erwähnen, daß wir auch in dem Bereich
Firngerabdruckerkennung und Kodierung einige neue Methoden
entwickelt haben. Sie basieren auf der Entdeckung, daß man
einen Fingerabdruck mit einer mathematischen Formel
beschreiben kann. Dadurch ist es möglich, seine komplette
Struktur mit einer sehr geringen Datenmenge zu beschreiben (und
es perfekt aus diesen Daten zu synthetisieren). Heute
reichen uns meistens ca. 100 Bytes, wir rechnen aber damit,
daß sich diese Datenmenge noch erheblich reduzieren läßt,
höchstwahrscheinlich sogar bis auf 10 Bytes. Das
Demoprogramm, mit dem die Synthese der Fingerabdrücke möglich
ist, erlaubt zwar sogar eine Reduzierung bis auf 6 Bytes,
kann aber noch nicht alle möglichen Fingerabdrücke
synthetisieren.